Jupp, ihr habt richtig gelesen. Zwanzig Jahre Prime Time reichen, um ein Buch zu schreiben. Hier schon einmal der Umschlagtext:
Wie man ein Superstar wird, das weiß heutzutage jeder. Aber wie wird man erfolgloser Provinzmusiker? Wie blamiert man sich bei Ansagen? Wie erzählt man auf der Bühne peinliche Witze? Warum schießen Jäger mit Schrotgewehren auf Gitarren? Steht Gunter Gabriel auf Männer? Auf welche Frauen stehen die Temptations? Muss man Finanzbeamte mögen? Oder Musiklehrer? Wie bringt man Bernhard Brink aus der Ruhe? Was hält der Golf wirklich aus? Was tun, wenn keiner tanzt?
In seinem Buch „Prime Time – Geschichten aus der Dritten Welt der Musik“ beantwortet der Autor und praktizierende Gebrauchsmusiker Jörg Eilers diese Fragen und noch viele andere mehr mit größter Schonungslosigkeit.
Wenn ihr die Antworten auf die oben zitierten Fragen sucht, empfehlen wir euch unsere 250 Seiten umfassende Biografie, die wir an euch handsigniert zum Selbstkostenpreis von 9,90 Euro verschleudern. Schickt uns einfach eine Mail.
So ähnlich sollte auch eine Veranstaltung laufen, die Peter Ehré, der Vater von Michael, geplant hatte. Als krönender Abschluss eines Beachvolley- und –fußballturniers würden Bernhard Brink auftreten, mit „Prime Time“ als Vorband. Um es kurz zu machen: Die Veranstaltung war der Flop des Jahrhunderts. Die „Bühne“ war ein LKW-Anhänger der Spedition Albers, der in bedrohlicher Schräglage im unebenen sandigen Untergrund stand. Die „Anlage“ hatten wir gestellt. Ein Sammelsurium aus Boxen und Verstärkern. Eine technische Müllhalde. Die „Bühne“ wurde von einem Scheinwerfer mit roter Folie beleuchtet. Und vor der Bühne eine Handvoll unterbelichteter „Fans“ von Bernhard Brink, die auf ihr Idol warteten. Als wäre das nicht alles peinlich genug gewesen, versank der Auftritt des Schlagerbarden in einem derartigen Fiasko, dass es schon wieder witzig war. Der dauergewellte Schlagerfuzzi sang live zu Einspielungen von einem DAT-Rekorder – einer Art Luxustonbandgerät, mit dem sein Assistent so seine Schwierigkeiten hatte. Der „Schlagertitan“ – als solcher bezeichnet er sich selbst - legt also los:
„Hallo Nordenham!! Wie geht es euch! Seit ihr gut drauf? Na, das ist ja wunderbar! Ich werde euch heute alle meine großen Hits präsentieren!“
Die Anlage verzerrt und bruzzelt kurz vor dem Abrauschen vor sich hin. Und überhaupt: „..alle meine großen Hits!“ Welche wären das denn bitte schön? „Liebe auf Zeit“ war sein größter Erfolg. Hat jemand die Melodie im Ohr? Sechsmal hat unser BB vergeblich versucht, am European Songcontest teilzunehmen. Und dennoch war er irgendwie immer da, und während Chris Roberts, Bernd Clüver oder Jürgen Marcus bestenfalls noch in Melanie Mays Schlagerparade zu sehen sind, moderiert Bernhard Brink fleißig Fernsehshows im öffentlichen Fernsehen und bringt unverdrossen eine Scheibe nach der anderen heraus.
„Mit dem ersten Titel, den ich für euch singen werde, hatte ich meinen ersten Nr. 1 – Hit in der ZDF Hitparade, bei meinem lieben Freund Dieter Thomas Heck. – ‚Ich bin noch zu haben’“
Die Fans sind außer sich, der Assi startet das Playback.
„Ja meine lieben Freunde, das ist eben live. Da läuft doch glatt der falsche Song.“
Der Assi, ich glaube, er hieß Peter, erhielt die Anweisung Titel 3 auf dem Band zu starten, woraufhin Bernie erleichtert die Belanglosigkeit herunterträllern konnte. So weit, so gut.
„Ich weiß, worauf ihr wartet: Auf das Lied, das ich gemeinsam mit meiner lieben Freundin Ireen Sheer gesungen habe. Nehmt es ihr nicht übel, dass sie heute nicht hier sein kann. Ich habe ihren Part aber auf Band mitgebracht, und ich weiß, in Gedanken ist sie bei euch: ‚Du gehst fort’!“
Peter drückt auf Start. Die Musik ertönt. Keiner merkt was, außer Bernhard, wenigstens der kennt seine Lieder.
„Okay, wie bereits gesagt: Das ist live. Da kann schon mal was schief gehen. Peter, starte bitte die Acht!“
Aber die Acht war es auch nicht. Peter schwitzt! Die Neun, weist sein Chef ihn an. „Nee, das ist doch ‚Der letzte Traum’“ Die Sieben ist es dann. Gott sei Dank. Die nächsten beiden Songs flutschen wie geschmiert. Bernhard ist der Frankieboy der Tiefebene, was jetzt nicht topografisch, sondern künstlerisch gemeint ist. Aber egal, das Publikum rast! Bei den nächsten drei Nummern liegt Peter dann wieder daneben und steppt sich den Anweisungen der Schmusestimme folgend durch das beliebige Gestrüpp des Brinkschen Liedguts. Wir stehen am Mischpult und schwitzen mit. Tommy hat inzwischen den DAT-Rekorder und die Playlist vom völlig neben sich stehenden Peter übernommen. Bernhard Brink singt inzwischen die Anweisungen über das jeweilige Playback:
„Neihein, das ist der falsche Titel – ich stehe hier unter einer roten Lampe und frage mich, wohoho wohl Frank Elstner mit der versteheckten Kamera ihist? Was mache ich hier überhaupt, auf diesem windschiefen Hähähänger – lalala, schubidu...“
Bewundernswert! Einfach bewundernswert, mit welcher stoischen Ruhe der Gute das über sich hat ergehen lassen. Bernhard Brink hat eine Allerweltsstimme, seine Titel sind schwach und seine Frisur ein schlechter Scherz. Aber ein Profi durch und durch und noch dazu ein netter Kerl. Vielleicht ist das sein Erfolgsrezept.